Intervention im Museum

In einer Dauerausstellung thematisiert das Jüdische Museum Augsburg Schwaben die lange und wechselvolle Geschichte der Jüdinnen und Juden in Bayerisch-Schwaben. Die inhaltliche Ausrichtung soll sich nun wandeln: weg von der Präsentation von »dem« Judentum und »der« jüdischen Religion hin zu pluralen Ansätzen, die die Vielfalt jüdischer Lebenswirklichkeiten als Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft erzählen. Dabei kommt es Museumsleiterin Barbara Staudinger unter anderem darauf an, dass in Bezug auf die Shoa und den 2. Weltkrieg nicht nur die Opfergeschichte, sondern auch die Tätergeschichte erzählt wird. Es geht darum, das Narrativ der jüdischen Opfer zu brechen und andere Perspektiven auf Jüdinnen und Juden zuzulassen. Zusammen mit dem Schriftsteller Max Czollek habe ich mich mit Barbara Staudinger im Museum getroffen, um zu erfahren, was dahinter steckt. »Jüdinnen und Juden – hört auf, im deutschen Gedächtnistheater mitzuspielen, emanzipiert euch von der Rolle!«, sagt Max Czollek. »Desintegriert euch!«

Kultursalon im Museum

Am 16. und 17. November 2018 fand der art3kultursalon im TIM, dem Textil- und Industriemuseum in Augsburg statt. Dieser Vernetzungskongress bot Kommunikations- und Präsentationsflächen für Museen, Galerien, Kunstvereine und Kulturvereine. Ich habe dort alte Bekannte getroffen und neue Projekte kennen gelernt. Im Podcast sind zu hören:

Als Zwischengeräusch ist ein mechanischer Webstuhl aus dem Textilmuseum zu hören.

App2Music

Mit Apps kennen sich die meisten Kinder und Jugendlichen gut aus. Dass man mit Mobilgeräten nicht nur spielen, sondern damit auch musikalisch kreativ sein kann, konnten sie in zwei Workshops beim diesjährigen Medienkunstfestival »lab30« im Abraxas erfahren. Ich habe mit Workshopleiter Lilijan Waworka gesprochen. Er selbst ist Sounddesigner, Musiklehrer und Musiker. Seit geraumer Zeit wirkt er im Projekt »app2music_DE« mit. Wie verschiedene andere professionelle Musikerinnen und Musiker unterstützt er Kinder und Jugendliche dabei, die Welt der Musikapps für sich zu entdecken. Denn es schlummern viele musikalische Talente in ihnen – davon sind die Macherinnen des Projektes überzeugt. Kinder und Jugendliche erleben ihre Tablets und Smartphones nun als Instrumente, mit denen sie Klänge erforschen. Sie entdecken neu die Technik, mit der sie täglich umgehen und treten in einen musikalischen Austausch miteinander.

Parité in den Parlamenten

Mit einer Plakataktion rund um den Internationalen Frauentag 2018 macht der Frauenbund Bayern darauf aufmerksam, dass im Landtag längst noch keine Geschlechterparität erreicht ist. Vor Wahlen fordert der Katholische Deutsche Frauenbund KDFB seine Mitglieder regelmäßig dazu auf, politisch aktiv zu werden, etwa mit Kampagnen wie »Frauen! Macht Politik!« oder der diesjährigen Plakataktion »Frauen wählen Frauen!« Im Moment liegt der Frauenanteil im Maximilianeum bei mageren 28,3 Prozent. Das soll sich mit den Landtagswahlen am 14. Oktober 2018 ändern. Anders als beispielsweise bei der Bundestagswahl, muss bei den bayerischen Wahlen niemand eine Partei oder eine Wählergruppe im Paket annehmen. Vielmehr kann man die Stimme ganz gezielt den einzelnen Bewerberinnen und Bewerbern des Vertrauens geben. Person geht vor Partei – das macht den Wahlmodus sympathisch.

Vor 100 Jahren, im November 1918, wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht ausgerufen. Was ist seitdem erreicht? Parität? Gleiche Verteilung der Mandate in den Parlamenten für Männer und Frauen? Bei weitem nicht. Vieles bleibt deshalb noch zu tun. Der Meinung ist auch das Aktionsbündnis »Parité in den Parlamenten«, ein Zusammenschluss engagierter Menschen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Spektrums. Das 2014 gegründete Bündnis fordert eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in den Volksvertretungen. Alle Parteien sollen gesetzlich verpflichtet werden, ihre Kandidatenlisten paritätisch, also 50:50 mit Frauen und Männern zu besetzen. Es wurde sogar eine Verfassungsklage gegen die aktuellen Wahlgesetze beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Dass sich etwas ändern muss, dieser Meinung waren auch Aktivistinnen, die heute vor einem Plakat des Frauenbundes zusammenkamen. Was sie zu sagen hatten, ist hier einem Podcast zu hören.

FlüchtlingsPIrat

Ich habe Christian Moses Holtz in seiner Siebdruckwerkstatt besucht, um T-Shirts für den Augsburger Flüchtlingsrat herzustellen. Der Siebdruck ist ein Schablonen-Druckverfahren, mit dem aufgrund der Verwendung eines feinmaschigen Siebes sehr detaillierte Grafiken abgebildet werden können. Für die Herstellung einer solchen Schablone benötigt man einen Siebdruckrahmen, Fotoemulsion, eine UV-Lichtquelle, sowie eine grafische Vorlage, die zur Belichtung komplett schwarz auf Folie gedruckt wird. Das individuelle Motiv mit dem Schriftzug »Augsburger FlüchtlingsPIrat« stammt von Christian Schmiedbauer. Wie das Sieb hergestellt wird, ist im Podcast zu hören. Moses hat das Bedrucken der Shirts dann am nächsten Tag vorgenommen. Mit einer so genannten Rakel wird die Farbe durch das Sieb auf den Stoff gepresst. Wir haben umweltfreundliche Materialien verwendet und auf ökologisch und fair hergestellte Shirts gedruckt.

Klimagourmets

Superfood aus unserer Region – bei einem Kochkurs mit Ulrike Birmoser, Ernährungsberaterin beim Verbraucherservice Bayern, habe ich erfahren, wie klimabewusstes Kochen in der heimischen Küche gelingen kann. Dabei ging es um weit mehr als den passenden Kochtopf mit Deckel. Die Ernährung trägt mit rund 30 Prozent zum Ausstoß von klimaschädigenden Stoffen bei. Unser persönliches Kauf- und Essverhalten ist also entscheidend: Mehr pflanzliche, weniger tierische Produkte kaufen; Essen energiesparend zubereiten und lagern; Autofahrten zum Einkaufen vermeiden; Nahrungsmittelabfall vorbeugen; saisonale Lebensmittel wählen; auf die Herkunft achten und insbesondere Flugware vermeiden; frische Zutaten statt Fertig- und Tiefkühlprodukte kaufen; Verpackungsmüll reduzieren – das sind die Empfehlungen von Ulrike Birmoser. Sie hatte für den Kochevent Rezepte für klimafreundliche Gerichte im Gepäck, die auf regionalen und saisonalen Zutaten basieren und Abwechslung auf den Tisch bringen: Sauerkrautfrischkost mit Äpfeln und Roten Beeten oder Ofenkürbis mit einem Dressing aus Rapsöl, Orange und Honig oder Bayerisches Risotto mit Perl-Chiemnut, eine der ältesten regionalen Getreidesorten.

Offensivkultur

Musikalisch bewegt sich Heinz Ratz mit seiner Band »Strom & Wasser« zwischen Ska, Punk, Polka, Rock und Poesie. Augsburg war schon einmal seine Heimat, wie er im Gespräch verriet. Im Haus des Malers Wolfgang Lettl hat er 1994 gewohnt. Heinz erzählt von seinem politischen Engagement für Obdachlose, Flüchtlinge und den Artenschutz sowie von seiner neuesten Initiative, dem »Büro für Offensivkultur«. Zusammen mit Konstantin Wecker hat er das Projekt gegründet. Eine kulturelle Eingreiftruppe gegen Rechts, um unmittelbar auf Menschenrechtsverletzungen, rechte Bedrohung oder Umweltdelikte reagieren zu können, ist am Entstehen.

Heinz ist ein Liedermacher und Politaktivist, der an seine Grenzen geht. Durch seine Musik spricht er Wahrheiten aus, die ohne Musik oftmals zu hart wären, sagt er. Im Rahmen seines Projektes »Der moralische Triathlon« mit 960 km Laufen, 850 km Schwimmen und 5500 km Radfahren schwamm er den Lech hinunter und war er auch in der Asylunterkunft Calmbergstraße zu Besuch. Er hat zusammen mit der Filmemacherin Linn Marx die unhaltbaren Zustände festgehalten. Der Trailer zum 100-minütigen Dokumentarfilm gibt es hier:

 

Augsburg kocht

Roswitha Kugelmann vom Sozialkaufhaus Contact stellt bei einem Buchrelease im Wohnzimmer des Schwabencenters die Macher*innen von 50 Initiativen vor. Die Rezepte im Buch machen Lust auf gemeinsames Kochen, Essen und Pläneschmieden. Es war ein toller Abend mit vielen Beteiligten aus unserem Netzwerk. Die VOLLDABEI-Kulturwerkstatt hat ein Gemüsekuchenrezept beigesteuert, eine Speise, die einfach zuzubereiten ist – auch von Asylsuchenden, die in Heimen leben und über wenig Equipment und finanzielle Mittel verfügen. Mehrfach haben wir das Rezept bei gemeinsamen Kochevents mit Nachbar*innen erprobt. Vier Initiativen aus dem Buch haben vor Kurzem den Augsburger Zukunftspreis bekommen: Grow up Interkultureller Garten, Neruda, VOLLDABEI und das Wohnzimmer im Schwabencenter. Roswitha hat den Abend souverän moderiert und die Vorstellung der Gruppen mit kleinen Geschichten angereichert. Man bekommt dadurch einen guten Einblick in das Netzwerk, das sich hier getroffen hat.

Im Beitrag kommen zu Wort: Marion und Günther Schütz (Verbund der Offenen Werkstätten, Transistion Town Augsburg, Bikekitchen), Peter Körffer (Razed Skating Club, Autistaskates), Elke Thiergärtner (Foodsharing), Sabine Pfister (Lebensraum Schwabencenter), Cynthia Matuszewski (Lifeguide), Rupert Bader (Forum Fließendes Geld), Roswitha Kugelmann (Contact).

»Augsburg kocht« ist Ende November im Wißner-Verlag erschienen und zum Preis von 18,90 Euro im Handel oder direkt bei Contact in Haunstetten erhältlich.

Ein Denkmal an die Zukunft

Die Lokale Agenda 21 für ein zukunftsfähiges Augsburg ist ein wichtiges Netzwerk, das sich seit Jahren im Nachhaltigkeitsbereich engagiert. Ein paar Jahre lang war ich selber Sprecherin des Agendateams. Am 18. November habe ich die Baumpflanzungsaktion in der Grünanlage am Curt-Frenzel-Stadion anlässlich des 20-jährigen Bestehens besucht. Entstanden ist ein kleiner öffentlicher Ort mit Obstbäumen und Sitzsteinen zum Ausruhen und Nachdenken als »Denkmal an die Zukunft«. In wenigen Jahren können dann dort Pflaumen, Äpfel und Quitten von allen Bürgerinnen und Bürgern geerntet werden. Finanziert wurden die drei Obstbäume aus dem Nachlass von Karin Kiehstaller aus Augsburg-Oberhausen. Die Grünanlage hat eine deutliche Aufwertung erfahren. Da es bisher keine offizielle Bezeichnung für das Stück Grün gab, erhielt es kurzerhand den Namen »Agendaplatz«. Stadtforscher Wolfgang Krauß wies darauf hin, dass der Platz im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit ein Richtplatz war, an dem auch Dissident*innen hingerichtet worden waren. Am 25. April 1528 fand zum Beispiel Hans Leupold, der der Bewegung der Wiedertäufer angehörte, hier den Tod.

In dem Beitrag kommen zu Wort: Johannes Enzler (AG Biostadt und der Solidargemeinschaft Unser Land), Ute Michalik (Agendasprecherin, Fairtradestadtinitiative und AK Papierwende), Norbert Stamm (Büro für Nachhaltigkeit), Reiner Erben (Umweltreferent), Tine Klink (Ak Urbane Gärten), Irina Ebert (Amt für Grünordnung und IG Streuobstwiesen), Pia Härtinger (Stadträtin, SKM Sozialdienst Katholischer Männer), Wolfgang Krauß (Stadtforscher).

Kommunale Entwicklungspolitik

Uwe Kekeritz, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/ Die Grünen, geht im Interview darauf ein, was auf der lokalen Ebene getan werden kann, um Entwicklungspolitik zu befördern. Seiner Ansicht nach hat die große Politik der Entwicklungshilfe in den letzten 40 Jahren versagt. Was aber seit ca. 20 Jahren positiv wirke und immer mehr in Fahrt komme, ist der Fairtradegedanke. Jedoch müsse das Beschaffungswesen der Kommunen künftig noch stärker an fairen Kriterien ausgerichtet werden, also entlang von ökologischen und sozialen Standards. Uwe Kekeritz spricht auch über die »Servicestelle Entwicklungspolitik« des Bundes, die Kommunen beim fairer Einkauf beraten sollte.

Das Interview fand am Rande der Fairtrademesse Bayern (9. Juli 2011) auf dem Elias-Holl-Platz auf der Rückseite des Augsburger Rathauses statt. Entsprechend sind ein paar Nebengeräusche wie zum Beispiel die Glocke vom angrenzenden Perlachturm zu hören. Beim Podcasten nennen wir das »Atmo«.

Musik von: Ricardo Kulusic, Album: Miserias y esperanzas, Titel: La diferencia, http://www.jamendo.com/de/album/67309